IHS-Klassifikation

Die Klassifikationen der Kopfschmerzarten gemäß der International Headache Society (IHS)

Zum 1.1.2013 trat die 3. Überarbeitung der Klassifikation der Kopfschmerzarten der IHS in einer Beta-Version in Kraft.

Auszüge aus der für die Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe relevanten Gruppe III finden sich auf dieser Seite.

Klassifikation der International Headache Society (IHS) und diagnostische Kriterien der Gruppe

3. Clusterkopfschmerz und andere trigemino-autonome Kopfschmerzen"

3.1 Clusterkopfschmerz

Früher verwendetet Begriffe

Ziliare Neuralgie, Erytromelalgie des Kopfes, Bing-Erythroprosopalgie, Hermicranie angioparalytica, Hemicrania periodica neuralgiformis, Histaminkopfschmerz, Horton-Syndrom, Harris-Horton-Syndrom, migränöse Neuralgie nach Harris, Petrosnusneuralgie nach Gardner, Sluder-Neuralgie, Neuralgie des Ganglion sphenopalatinum, Vidianusneuralgie

An anderer Stelle kodiert

Ein symptomatischer Clusterkopfschmerz als sekundäre Folge einer anderen Erkrankung wird entsprechend dieser Erkrankung kodiert.

Beschreibung

Attacken eines schweren, streng einseitigen Schmerzes orbital, supraorbital, temporal oder in einer Kombination dieser Lokalisationen von 15-180 Minuten Dauer und einer Häufigkeit von einer Attacke jeden zweiten Tag bis zu 8 Attacken/Tag. Eines oder mehrere der nachfolgend genannten Begleitsymptome kommen vor: konjunktivale Injektion, Lakrimation, nasale Kongestion, Rhinorrhoe, vermehrtes Schwitzen im Bereich von Stirn und Gesicht, Miosis, Ptosis, Lidödem. Während der Attacken sind die meisten Patienten unruhig oder agitiert.

Diagnostische Kriterien

Diagnostische Kriterien

  • Wenigstens fünf Attacken entsprechend den unter B. - D. angeführten Bedingungen

  • Starke oder sehr starke einseitig orbital, supraorbital und/oder temporal lokalisierte Schmerzattacken, die unbehandelt 15 bis 180 Minuten anhalten

  • begleitend tritt wenigstens eines der nachfolgend angeführten Charakteristika auf:

    1. ipsilaterale konjunktivale Injektion und/oder Lakrimation
    2. ipsilaterale nasale Kongestion und/oder Rhinorrhoe
    3. ipsilaterales Lidödem
    4. ipsilaterales Schwitzen im Bereich der Stirn oder des Gesichts
    5. ipsilaterale Miosis und/oder Ptosis
    6. körperliche Unruhe oder Agitiertheit

Kommentar

Akute Attacken gehen mit einer Aktivierung des posterioren hypothalamischen Graus einher. Clusterkopfschmerzen werden möglicherweise in 5% der Fälle autosomal-dominant vererbt.

Die Attacken treten üblicherweise in Serien auf, die Wochen oder Monate andauern (so genannte Clusterperioden). Zwischengeschaltet sind Remissionszeiten, die meist Monate oder Jahre anhalten. Bei etwa 10-15% der Patienten ist der Verlauf jedoch chronisch.

In einer großen Serie von Nachuntersuchungen konnte gezeigt werden, dass 27% der Patienten lediglich eine Clusterperiode hatten. Diese sollte unter 3.1 Clusterkopfschmerz kodiert werden.

Während einer Clusterperiode und bei der chronischen Verlaufsform können Attacken regelmäßig durch Alkohol, Histamin oder Nitroglyzerin ausgelöst werden. Der Schmerz ist schwerpunktmäßig orbital, supraorbital oder temporal bzw. in einer Kombination dieser Orte lokalisiert, kann aber auch in andere Regionen ausstrahlen. Üblicherweise tritt der Schmerz innerhalb einer Clusterperiode immer auf derselben Seite auf. Während der schlimmsten Attacken ist der Schmerz von der Intensität her unerträglich. Die Patienten sind in der Regel nicht in der Lage, sich hinzulegen und laufen charakteristischerweise umher.

Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 20 und 40 Jahren. Aus bisher nicht bekannten Gründen sind Männer 3- bis 4-mal häufiger betroffen als Frauen.

Clusterkopfschmerz mit gleichzeitig vorhandener Trigeminusneuralgie (Cluster-Tic-Syndrom)

Es sind einige Patienten beschrieben worden, die sowohl einen Clusterkopfschmerz als auch eine Trigeminusneuralgie aufwiesen. Diese Patienten sollten beide Diagnosen erhalten. Die Wichtigkeit dieser Beobachtung liegt darin, dass beide Erkrankungen seperat behandelt werden müssen, um Schmerzfreiheit zu erreichen.

3.1.1 Episodischer Clusterkopfschmerz

Beschreibung

Clusterkopfschmerzattacken treten in Perioden mit einer Dauer von 7 Tagen bis 1 Jahr auf, die von schmerzfreien Episoden von 1 Monat Dauer oder länger unterbrochen werden.

Diagnostische Kriterien
  • Die Attacken erfüllen die Kriterien A. - E. für 3.1 Clusterkopfschmerz

  • Wenigstens 2 Clusterperioden mit einer Dauer von 7 bis 365 Tagen, die durch Remissionsphasen von mehr als einem Monat Dauer voneinander getrennt sind. Clusterperioden halten üblicherweise 2 Wochen bis 3 Monate an.

Kommentar

Der chronische Clusterkopfschmerz kann de novo entstehen, früher als primär chronischer Clusterkopfschmerz bezeichnet, oder aus der episodischen Form übergehen, früher als sekundär chronischer Clusterkopfschmerz bezeichnet. Bei einigen Patienten kann sich aus einem chronischen Clusterkopfschmerz die episodische Form entwickeln.

Für die Überlassung der Zeitschrift "Nervenheilkunde 11/2003", in der die IHS-Kriterien in deutsch veröffentlicht wurden, bedanken wir uns ganz herzlich bei PD Dr. med. Arne May, DMKG.

Erneut der Hinweis:

Wir sind keine Ärzte! Alle Angaben beruhen lediglich auf eigener und der von anderen Clusterkopfschmerz-Patienten gemachten Erfahrung. Bei jeder Behandlung sollten Sie immer zuerst einen Arzt zu Rate ziehen.

Alle in der CSG e.V. tätigen Mitglieder arbeiten für die CSG e.V. ehrenamtlich, also freiwillig, gemeinwohlorientiert und unentgeltlich. Alle Beteiligten verzichten auf die Ehrenamtspauschale. Dieses Ehrenamt in der Selbsthilfe ist etwas Besonderes, da es einen Fall von gegenseitiger Hilfe darstellt und somit in die schwierige Definition von "wer hilft wem?", "was ist Freundschaft?“, „was ist Ehrenamt?", hinein reicht. Wir hoffen jedoch, dass wir mit unserem gesamten Wissen und unseren eigenen Erfahrungen jedem Einzelnen in der Selbsthilfe weiterhelfen können.

zuletzt aktualisiert: 12. März 2015 09:59