Studie mit Cortison Prednison

Wenn die Schmerzen im Kopf unerträglich sind - Kann Cortison bei Clusterkopfschmerz helfen?

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: So vielfältig die Ursachen der Schmerzen sein können, so unterschiedlich stark können sie auftreten. Beim Clusterkopfschmerz plagen immer wiederkehrende sehr starke Kopfschmerzen die Betroffenen. Die üblichen Schmerztabletten helfen nicht. Medikamente, die das Auftreten der Schmerzen verhindern können, wirken meist erst nach einigen Wochen − für die Betroffenen eine fast unerträglich lange Zeit. Möglicherweise kann während dieser Zeit Cortison die Schmerzattacken unterdrücken. Derzeit untersucht eine Studie, ob sich diese Annahme bewahrheitet. (Newsletter 73 / April 2015)

Kopfschmerzen? Schnell eine Tablette einnehmen, dann wird es besser. Doch dieses „Patentrezept“ hilft nicht allen Kopfschmerzgeplagten. Menschen mit Clusterkopfschmerz gehören hierzu. Der Clusterkopfschmerz ist eine Erkrankung, die ein unerträgliches Ausmaß annehmen und tragische Folgen haben kann. Betroffene werden geplagt von wiederkehrenden, anfallsartigen Schmerzen. Die Schmerzen jeder einzelnen Kopfschmerzattacke können dabei so stark werden, dass etwa jeder vierte Betroffene während der Attacken auch sogar schon Selbstmordgedanken hatte. Früher wurde der Cluster-Kopfschmerz deshalb auch „Selbstmord-Kopfschmerz“ genannt.

Mögliche Ursachen des Clusterkopfschmerzes sind bislang nur wenig erforscht. Bis zur Diagnose und ersten lindernden Behandlung haben Betroffene meist schon mehrere Kliniken und Arztpraxen aufgesucht.

Cluster-Kopfschmerz – was hilft?

Wer an Clusterkopfschmerz leidet, ist von unerträglichen, anfallsartigen Schmerzen geplagt.Wegen seines episodenhaften Verlaufs ist der Cluster-Kopfschmerz schwer zu behandeln. Denn die Attacken sind meist zu kurz, als dass gängige Schmerzmittel helfen könnten. Zum anderen können die Attacken mehrfach täglich auftreten, was die Behandlung mit Kopfschmerzen Spezialmedikamenten einschränkt. Üblicherweise zielt die Behandlung deshalb darauf, die einzelnen Schmerzattacken im Vorfeld zu verhindern. Die Wirkstoffe, die hierfür eingesetzt werden, sind Medikamente, die für die Behandlung anderer Erkrankungen zugelassen sind. In der Medizin spricht man vom „Off-Label-Gebrauch“. Zum Beispiel ist Verapamil ein Mittel, das üblicherweise bei Herzrhythmusstörungen verordnet wird. Wissenschaftliche Studien belegen aber, dass Verapamil auch bei Cluster-Kopfschmerz wirksam ist. Ein zweites Medikament, dessen Wirksamkeit zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerz wissenschaftlich bewiesen wurde, ist Lithium. Der Nachteil: Beide Medikamente wirken nicht sofort. Sie müssen langsam eindosiert werden. Das heißt, es muss meist über einige Wochen die richtige Dosis gefunden werden, die vor den schmerzhaften Attacken schützen kann. Während dieser Zeit quält die Betroffenen weiterhin der Schmerz.

Schon seit längerer Zeit wird deshalb in spezialisierten Schmerzambulanzen Patientinnen und Patienten mit Cluster-Kopfschmerz in diesem Zeitraum zusätzlich Cortison gegeben, um die Schmerzattacken kurzfristig zu mindern. Aber diese Cortison-Therapie beruht hauptsächlich auf unkontrollierten Studien und einzelnen Fallberichten. Ein sicherer und eindeutiger Nachweis, ob Cortison tatsächlich kurzfristig gegen Cluster-Kopfschmerz hilft, steht noch aus.

Studie sucht Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: So vielfältig die Ursachen der Schmerzen sein können, so unterschiedlich stark können sie auftreten. Der Cluster-Kopfschmerz gehört zu den besonders schwerwiegenden Formen des Kopfschmerzes.„In unserer Studie geht es deshalb darum, die kurzfristige Wirksamkeit und Sicherheit von Prednison, einem Cortison-Präparat, bei der Behandlung des Clusterkopfschmerzes zu prüfen“, erklärt Dr. Mark Obermann. „Dieser Nachweis ist besonders deshalb wichtig, weil Cortison viele Nebenwirkungen hat – auch wenn es nur recht kurzfristig für etwa zwei Wochen eingenommen wird.“ Zusammen mit Dr. Dagny Holle und Dr. Steffen Nägel leitet er eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie am Westdeutschen Kopfschmerzzentrum der Universitätsklinik in Essen.

Um genug Patientinnen und Patienten für die Studie zu gewinnen, arbeiten sie dafür bundesweit mit mehreren Zentren zusammen. „Denn der Clusterkopfschmerz ist eine seltene Form des Kopfschmerzes. Im Durschnitt erkrankt nur jeder tausendste Mensch daran. Um verlässliche Aussagen treffen zu können, brauchen wir für unsere Studie mindestens 144 Betroffene“, sagt Obermann.

Das Ziel der Forscher: „Wenn wir mit unserer Studie bestätigen können, dass Prednison bei Clusterkopfschmerz tatsächlich wirksam ist, können Betroffene zukünftig schnelle Hilfe in ihrer Hausarztpraxis vor Ort bekommen und müssen nicht erst weite Strecken bis zur nächsten Spezialambulanz zurücklegen“, sagt Obermann.

Patientinnen und Patienten, die an Clusterkopfschmerz leiden und Interesse haben, an der Studie teilzunehmen, können sich hier informieren oder sich direkt ans Westdeutsche Kopfschmerzzentrum in Essen wenden.

Westdeutsches Kopfschmerzzentrum

Hufelandstraße 26
45147 Essen

Tel.: 0201 43696-0
Fax: 0201 43696-33
E-Mail: westdeutsches.kopfschmerzzentrum@uni-due.de

Ansprechpartner

PD Dr. Mark Obermann
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
45147 Essen

Tel.: 0201 723-6518
Fax: 0201 723-6962
E-Mail: mark.obermann@uni-due.de

zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2015 08:27